Warum wurde das am besten verkaufte Knaus Wohnmobil aus dem Programm genommen? (Teil 2 von 2)

– Zum Teil 1 dieses Beitrages geht es hier –

Warum also wurde die Produktion des beliebten Knaus SUN TI eingestellt?

Versuchen wir, dieser Frage etwas genauer nachzugehen. Einige der folgenden Überlegungen sind zunächst spekulativ. Doch wie so oft gilt: In mancher Spekulation kann durchaus ein wahrer Kern liegen.

Probleme und Mängel am KNAUS Wohnmobil

Eine mögliche Erklärung könnte in technischen Problemen oder konstruktiven Schwächen des Modells liegen. Denn im Laufe der Zeit scheinen vermehrt Berichte über Mängel an diesem Wohnmobil im Internet aufzutauchen.

Was zunächst wie vereinzelte Probleme wirkt, könnte sich bei genauerem Hinsehen als strukturelles Thema erweisen. Hinweise darauf liefern unter anderem Gutachten von öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für Wohnmobile. In mehreren Fällen mussten solche Sachverständigen detaillierte Untersuchungen zu spezifischen Problemen und Mängeln dieses Modells durchführen.

Im Mittelpunkt dieser Gutachten steht das Wohnmobilmodell Knaus SUN TI des Herstellers Knaus Tabbert AG.

Damit stellt sich eine naheliegende Frage: Könnten solche technischen Probleme oder konstruktiven Schwächen langfristig auch Auswirkungen auf Image, Nachfrage und letztlich auf die Entscheidung gehabt haben, dieses Modell aus dem Programm zu nehmen?

Das Image des Wohnmobilmodells leidet

Auch das Image dieses Wohnmobils des Herstellers Knaus Tabbert AG scheint gerade in den letzten Jahren deutlich gelitten zu haben. In Beiträgen, Kommentaren und Diskussionsforen im Internet sowie in sozialen Medien wird dieses Modell zunehmend kritischer diskutiert. Immer häufiger tauchen dort Berichte über Probleme, Erfahrungen und Einschätzungen von Nutzern auf, die dem Wohnmobil einen weniger positiven Ruf einbringen.

Das ansprechende Innendesign, die moderne Ambientebeleuchtung und die insgesamt attraktive Gestaltung des Knaus SUN TI können dabei offenbar nicht mehr vollständig über die wachsende Kritik hinwegtäuschen.

Fehlende zugesicherte Nutzlast beim KNAUS Wohnmobil

Es gab Beschwerden über fehlende zugesicherte Nutzlast und Vorwürfe eines möglichen Betrugs im Zusammenhang mit der zulässigen Masse der Zusatzausrüstung. Für das Wohnmobilmodell Knaus SUN TI der Knaus Tabbert AG war beim Kraftfahrbundesamt eine maximale Zuladung von 40 kg für zusätzliche Ausrüstung hinterlegt.

Tatsächlich verbaute die Knaus Tabbert AG bereits 240 kg Zusatzausrüstung im Werk, und ein Händler brachte nachträglich nochmals 50 kg an. Damit überschritt das zulässige Gesamtgewicht bei Nutzung mit vier Personen und der Mindestnutzlast die zulässigen 3,5 t um mehr als 300 kg.

Der betroffene Händler sollte vor Gericht nachweisen, dass das Wohnmobil dennoch zulassungsfähig sei. Dies schien jedoch nicht möglich. Gleichzeitig wurde vom Kunden ein Stillschweigeabkommen verlangt, das ihn daran hindern sollte, über den Vorfall gegenüber Dritten oder im Internet zu berichten – was der Kunde ablehnte. Anschließend holte die Knaus Tabbert AG das Wohnmobil direkt beim Kunden ab, obwohl der Vertragspartner formal der Händler war.

Dieses Vorgehen legt nahe, dass Knaus Tabbert möglicherweise verhindern wollte, dass kritische Informationen an die Öffentlichkeit gelangen.

Der Fall wurde im Forum des Magazins promobil ausführlich diskutiert, bis das Forum am 2. Dezember 2020 seine Pforten endgültig schloss.

Winterfestigkeit nach DIN fraglich

Der Knaus SUN TI, lange als „besonders winterfest“ beworben – mit dem Versprechen, dass selbst „der härteste Winter chancenlos“ sei – war das einzige teilintegrierte Knaus-Wohnmobil bis 3,5 t, das mit einem doppelten Boden produziert wurde. Dadurch sollte es insbesondere für Wintercamping ideal geeignet sein.

Doch stellt sich die Frage: Ist dieses Modell tatsächlich winterfest nach DIN EN 1646-1, Stufe 3?

Ein Abdruck und Textauszug der Aftersales-Abteilung der Knaus Tabbert AG bestätigt zumindest, dass alle KNAUS-Reisemobile bis zum 16.04.2019 nach DIN EN 1646-1, Stufe 3 als winterfest klassifiziert wurden.

(Quelle: Knaus Tabbert GmbH Aftersales Leitung, 14.03.2019)

„….da wir seit Jahren unsere Reisemobile mit Winterfest nach Norm EN 1646-1 / Stufe 3 bewerben, ist es selbsterklärend, dass unsere Fahrzeuge diese Vorgaben natürlich auch erfüllen.“

(Quelle: Knaus Tabbert GmbH, Leiter Aftersales, 16.04.2019)

Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige

Im Rahmen eines gerichtlichen Gutachtens wurden die gemeldeten Mängel am Knaus SUN TI von einem gerichtlich bestellten Sachverständigen überprüft. Überraschenderweise erschien bei diesem Termin einer der technischen Außendienstmitarbeiter der Knaus Tabbert AG direkt vor Ort.

Vor versammelter Mannschaft – dem Gutachter, zwei Mitarbeitern des Knaus-Vertragshändlers und zwei Personen auf Käuferseite – erklärte dieser Mitarbeiter, dass das Wohnmobil nicht winterfest nach DIN EN 1646-1 sei.

Ein weiterer öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Wohnmobile wies in seinem Gutachten auf Grundlage eigener Messdaten ebenfalls darauf hin, dass das Modell nicht die Anforderungen der DIN EN 1646-1, Stufe 3 erfülle.

Der Gedanke liegt nahe: Hat der Kunde, der bewusst ein winterfestes Wohnmobil bestellt und gekauft hat, möglicherweise gar keines erhalten?

Messdaten von zwei unterschiedlichen Gutachtern

Folgende Messdaten wurden von zwei unterschiedlichen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für Wohnmobile/Kfz in ihren Gutachten über den Knaus SUN TI 700 MEG bestätigt:

Messdaten im Winter (Januar) bei ca. -3 Grad Aussentemperatur:
19°C Unterschied zwischen Raummitte des Wohnmobiles und Bettenbereich
28°C Unterschied zwischen Raummitte des Wohnmobiles und Heckgarage

Messdaten im Frühling (Mai) bei ca. 12 Grad Aussentemperatur:
9 °C Unterschied zwischen Raummitte des Wohnmobiles und Heckgarage

Zur Verdeutlichung – Phase 2 nach DIN EN 1646-1 / Stufe 3:

„Der zentral platzierte Messpunkt, der sich einen Meter über dem Innenboden in der Mitte des Wohnbereichs im Wohnmobil befindet, muss sich binnen vier Stunden auf +20°C erwärmen, wobei fünf weitere Messpunkte im Fahrzeug nicht mehr als 7°C Differenz aufweisen dürfen.“

Dabei wird bei DIN EN 1646-1 / Stufe 3 das Wohnmobil vor der Aufheizphase sogar noch mindestens 10 Stunden auf -15°C heruntergekühlt.

Einstellung der Produktion des beliebten Knaus-Wohnmobils

Ein Blick auf die Hintergründe dieser Webseite lohnt sich: Sie wurde im März 2019 ins Leben gerufen. Bereits im September 2019 versuchte „man“, die Seite samt sämtlicher Verknüpfungen in sozialen Medien weltweit aus dem Netz zu löschen. Stillschweigen über das Angebot und die damit verbundenen Abkommen sollte gelten. Bis an ihr Lebensende sollten der Betreiber und Lebensgefährtin nie wieder ein Sterbenswörtchen über Mängel an Knaus Tabbert Wohnmobilen oder Wohnwagen im Internet verlieren. Wer genau „man“ war, mag man sich denken – doch Stillschweigeangebote dieser Art erwecken unweigerlich den Verdacht, dass etwas verschleiert werden soll.

Da das Angebot nicht angenommen wurde, blieben die Webseite und die verknüpften Social-Media-Konten online. Die Produktion des Knaus SUN TI für das Jahr 2020 konnte Ende 2019 selbstverständlich noch nicht eingestellt werden. Doch 2021 war es dann soweit: Nach 16 Jahren stellt die Knaus Tabbert AG die Produktion ihres Bestsellers – ihres beliebten „Sonnenscheins“ – endgültig ein.

Übrigens, die nächsten Modelle bei denen sich die Mängel zu häufen scheinen, laut den Erfahrungsberichten, Kommentaren und Google Suchbegriffen/-ergebnissen, sind:

  • Weinsberg Pepper / Weinsberg CaraCompact
  • Knaus VAN TI / Knaus VAN TI PLUS

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