Alles nur eine Frage der Zeit!

Ein sehr ausführlicher und nachvollziehbar geschilderter Erfahrungsbericht erreichte uns über den Kommentarbereich. Da die Schilderung detailliert beschreibt, wie nach Angaben des Verfassers verschiedene konstruktive Ausführungen an seinem Knaus-Wohnmobil bereits in den ersten Jahren zu erheblichen Feuchtigkeitsschäden geführt haben sollen, veröffentlichen wir den Kommentar zusätzlich als eigenen Beitrag.

Hinweis: Der nachfolgende Bericht gibt die Erfahrungen eines Fahrzeughalters wieder. Die darin geschilderten Mängel, Ursachen und technischen Zusammenhänge werden von uns nicht überprüft.

Erfahrungsbericht: Feuchtigkeitsschäden und Verrottung in Knaus-Wohnmobil

Kommentar von Linus M. Niemeyer:

Wir haben Erfahrungen gesammelt mit dem Vorgängermodell des Live Travellers, der in der Modellgeneration davor noch Sky Traveller hieß. Wir kauften 2015 im Frühjahr einen Sky Traveller 500D, ein sehr kleines Alkovenfahrzeug (BJ 05/2013). Zunächst fühlten wir uns durchaus sehr wohl darin und hatten auch einige tolle Urlaube verbracht. Es handelte sich um ein seinerzeit anderthalb Jahre altes Fahrzeug, das zwei Mietsaisons gelaufen war und optisch im Aufbau wie im Führerhaus hervorragend dastand. 2015 waren auch die Preise noch top und wir bekamen sehr viel Wohnmobil für angemessenes Geld.

Ab 2017 stellten sich allerdings mehrere erhebliche Probleme ein, die letztlich zum Verkauf des Fahrzeuges führten. So bemerkten wir während eines Wochenendtrips den weich gewordenen Unterboden unter der Dinette. Die Demontage der Sitzecke und das Eröffnen der Bodenplatte zeigte eine Verrottung von fast 1m² Größe. Verursacher war der in der Seitenwand eingebaute Einfüllstutzen für Frischwasser. Knaus hatte dort leider den Entlüftungsschlauch nicht angeschlossen. Das fiel bei der Tankbefüllung nicht auf, da der Tank über den Bodenüberlauf entlüften konnte. Leider waren in der Serviceklappe der Wassereinfüllstutzen und der Entlüftungskanal miteinander verbunden und letzterer nicht mit einem Blindstopfen versehen. So lief bei jeder Tankbefüllung etwas Wasser aus dem Entlüftungskanal hinter die Möbel und versickerte zwischen Bodenplatte und Wand. Die Reparatur hat mich seinerzeit drei Monate gekostet.

Schlecht konstruiert ist leider auch die Dusche. Die Duschwanne ist nur 5cm hoch, die Abdichtung zu den Fahrzeugwänden hin geschieht durch eine umlaufende Plastikwand in der Duschkabine, die in der Duschtasse überlappt. Wie in vielen Wohnmobilen läuft allerdings das Wasser nicht optimal ab und bleibt einige Sekunden in der Duschwanne stehen. Hat das Fahrzeug dann Gefälle nach links (zur Fahrerseite hin), läuft das Wasser zwischen Duschwanne und Plastikwand (Kapillarwirkung!) und von da aus in die Bodenplatte. Auch an dieser Stelle konnte man nach nicht einmal fünf Jahren erhebliche Schäden an der Bodenplatte feststellen (u. a. bei Tast- und Messprüfung von außen). Bemerkt hatte ich das bei einem Urlaub im Sommer in Frankreich, als morgens nach dem Duschen das Duschwasser hinten aus dem Wohnmobil tropfte – hervorgequollen aus dem Spalt zwischen Seitenwand und Bodenplatte. So sind nach jedem Duschvorgang über Jahre immense Schäden an der Bodenplatte entstanden.

Auch der obere Heckspoiler war nicht gut verarbeitet (hier sitzt die dritte Bremsleuchte drin). Nach fünf Jahren hatten sich die insgesamt vier Schrauben losgerappelt und waren ausgerissen. Durch die Schraubenlöcher war auch Feuchtigkeit in die Heckwand eingedrungen; wie viel, kann nur gemutmaßt werden (hier waren gottlob keine Spuren im Inneren erkennbar).

Bei dem Sky Traveller handelte es sich um unser erstes Wohnmobil, mit dem wir viele schöne Erinnerungen verbinden. Für mich verbinden sich damit allerdings gleichzeitig auch horrende Reparaturorgien, die ich alle in Eigenleistung erbracht habe. Mittlerweile haben wir dieses Fahrzeug weiterverkauft und uns für ein Wohnmobil eines anderen Herstellers entschieden. Möbelbau und Technik des Knaus hatten uns durchaus zugesagt, aber nach diesen Erfahrungen wollte ich kein weiteres Fahrzeug dieser Marke mehr kaufen. Die Lektüre der Texte auf dieser Seite stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass diese Entscheidung nicht falsch war.

Ich rate bei Fahrzeugen der Fa. Knaus nach BJ 2010 (also nach der Insolvenzkrise) auch zur unbedingten Vorsicht.

Auf Grundlage der zahlreichen Erfahrungsberichte und Kommentare, die uns erreicht haben, raten einige Leser bei Knaus- und Weinsberg-Wohnmobilen zu besonderer Vorsicht. Diese Einschätzungen beruhen auf den persönlichen Erfahrungen der jeweiligen Verfasser und stellen keine Aussage über alle Fahrzeuge oder Baureihen dar. Kaufinteressenten sollten sich vor einer Entscheidung umfassend informieren und unterschiedliche Informationsquellen berücksichtigen.

In einer Email schrieb uns Herr Niemeyer noch folgenden Satz:

„Ich schätze die Lebensdauer insgesamt auf keine zwölf Jahre, bis eine Gesamtreparatur so unwirtschaftlich ist, dass man es mit einem Totalschaden (= Verschrottung) zu tun hat. Und das ist keine Perspektive, auch wenn man damit gerne noch ein paar Jahre fahren möchte.“

Nach unseren Informationen wurde in einem Rechtsstreit die Auffassung seitens Anwalt des Knaus Vertragshändlers vertreten, dass für die rechtliche Bewertung des konkreten Falls eine Gesamtnutzungsdauer von 10 Jahren eines Knaus Wohnmobils zugrunde gelegt werden könne. Dies betrifft die juristische Bewertung des jeweiligen Einzelfalls und stellt keine allgemeingültige Aussage über die tatsächliche Lebensdauer aller Knaus- oder Weinsberg-Wohnmobile dar.

Zum Vergleich: In einem vor einigen Jahren veröffentlichten Artikel des Handelsblatts wurde für Wohnmobile eine angenommene Nutzungsdauer von 25 Jahren erwähnt. Solche Angaben stellen jedoch allgemeine Orientierungswerte dar und lassen keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Lebensdauer eines konkreten Fahrzeugs oder einer bestimmten Marke zu.

Die geschilderten Erfahrungen können bei Lesern den Eindruck entstehen lassen, dass einzelne Wohnmobile heute möglicherweise nicht mehr so robust konstruiert sind wie früher. Ob dies tatsächlich auf eine veränderte Bauweise, andere Materialien oder auf andere Ursachen zurückzuführen ist, lässt sich anhand der vorliegenden Erfahrungsberichte jedoch nicht allgemein beantworten.

3 Kommentare

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  1. Hallo Fam. Niemeyer,
    Nichts ist passiert. Auf Grund meiner negativen Erfahrungen habe ich vor 4 Wochen bereits an den Deutschen Campingverband geschrieben. Ich wollte aufmerksam machen, dass ein Großteil dieser Branche durch den Ruf einiger schwarzen Schafe, letztlich stier gehen werden. Mir tun die armen Mitarbeiter leid. Nun ist auch ersichtlich, dass es immer die Firmen/Hersteller sind, welche feindlich übernommen worden sind. Mein total kaputtes Wohnmobil von Weinsberg schaffte gerade mal 3 Jahre. Weinsberg war mal eine Nobelschmiede. Ich musste jetzt feststellen, der wird durch Knaus Tabbert gebaut, keinerlei Verbesserungen seit 2015. Die Dinger faulen während der Fahrt. Aber man bekommt weder vom Campingverband noch vom Hersteller eine vernünftige Antwort. Sie wissen nämlich, dass das so ist, es ist einkalkuliert. Der Händler als Vertragspartner verdient nicht am neuen WoMo, sondern an den Reklamationen. Es wird billigend in Kauf genommen, das von 10 Auslieferungen 2-3 marode sind!
    Wir alle als Betroffene können nur den Rechtsanwalt einschalten und parallel in allen sozialen Medien darüber berichten…..steter Tropfen hüllt den Stein…siehe Dieselskandal.

    Viele Grüße vom Weinsberg CaraLoft Alter 3 Jahre und schon schwer krank.

  2. Ich fahre ebenso einen Knaus 500d. Und im Grunde liebe ich dieses Fahrzeug, Platzverhältnis bei der Größe ist fantastisch.

    Allerdings ist die Qualität wirklich nicht gut, nicht wie sie sein sollte.

    Gaskasten ist jetzt bald am Ende seines Lebens angekommen, nach knapp 7 Jahren, Rost bis zum geht nicht mehr, in einem Jahr ist der durch. Der Gaskasten ist eine Fehlkonstruktion, durch den offenen doppelten Boden sammelt sich der Dreck genau dort, wo man nicht rankommtFolge ist feuchter Schlamm und damit Rost wie bekloppt. Alkovenheizung ist ein Witz, da kommt nichts mehr an Luft an, nur ein Lüftchen, heizen ist anders. Eingangstür war undicht. Die Heckgarage voll Wasser. Der Alkoven knarrte so laut, dass man sein eigenes Wort nicht verstand.

    Trotzdem liebe ich das Fahrzeug, aber es wird wohl mal Zeit für etwas neues, aber bei den Preisen, die jetzt aufgerufen werden… Was ich vor 6 Jahren bezahte für ein 2 Jahre altes Fahrzeug, da bekomme ich jetzt im Vergleich dazu auch nichts besseres..