Dokumente zeigen politische Verbindungen
Der sogenannte Wohnmobil-Abgasskandal rund um Fiat-Ducato-Motoren beschäftigt Anwälte, Gerichte, Behörden und Verbraucher. Im Mittelpunkt stehen tausende Wohnmobile mit Euro-5- und Euro-6-Dieselmotoren, bei denen Zweifel an der Einhaltung der gesetzlichen Abgasgrenzwerte bestehen.
Einblicke in Dokumente aus dem Jahr 2016 werfen ein Schlaglicht darauf, wie stark die Branche damals unter Druck stand – und welche Rolle politische Kontakte der Knaus Tabbert AG dabei spielten.
Streit um Abgaswerte bei Wohnmobilen
Seit Bekanntwerden des VW-Dieselskandals im Jahr 2015 rückten auch andere Fahrzeughersteller verstärkt in den Fokus von Behörden. Besonders betroffen war der Fiat Ducato, das mit Abstand wichtigste Basisfahrzeug für europäische Wohnmobilhersteller. Untersuchungen beschäftigten sich mit der Frage, ob in den Motorsteuerungen möglicherweise unzulässige Abschalteinrichtungen eingesetzt wurden – also Softwarefunktionen, die die Abgasreinigung unter bestimmten Bedingungen reduzieren.
Hinweise auf eine solche Problematik werden in einem Schreiben aus dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur vom 14. Juni 2016 erwähnt. Darin wird auf Untersuchungsergebnisse verwiesen, nach denen Fahrzeuge des Fiat-Chrysler-Konzerns möglicherweise eine Abschalteinrichtung verwenden könnten.
Das Kraftfahrt-Bundesamt leitete daraufhin Prüfverfahren ein.
Sorge vor einem Genehmigungsstopp
Für die Wohnmobilindustrie hätte ein möglicher Genehmigungsstopp dramatische Folgen gehabt. Ein Großteil der europäischen Wohnmobile wird auf Fiat-Ducato-Fahrgestellen aufgebaut. Auch viele Modelle des deutschen Herstellers Knaus Tabbert basierten zu diesem Zeitpunkt auf dieser Plattform.
Schreiben von Knaus Tabbert an CSU-Generalsekretär
Am 25. Mai 2016 wandte sich die damalige Knaus Tabbert GmbH direkt an den CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer. In dem Schreiben beschreibt das Unternehmen seine Sorge, dass das Kraftfahrt-Bundesamt die Genehmigung für Wohnmobile auf Basis des Fiat Ducato möglicherweise nicht mehr erteilen könnte. Wörtlich heißt es darin, man stehe „einem wirklich akuten Problem gegenüber“, da ein erheblicher Teil der eigenen Produktion auf dem Fiat-Ducato-Fahrgestell basiere.
Ein Ausbleiben der Genehmigungen hätte nach Darstellung des Unternehmens gravierende wirtschaftliche Folgen für Hersteller und Branche haben können. Knaus Tabbert bat Scheuer daher, die zuständigen politischen Stellen auf die Situation aufmerksam zu machen.
Kontakt zum Bundesverkehrsministerium
Der Vorgang blieb offenbar nicht ohne Reaktion.
Kurz darauf wandte sich Scheuer an das Bundesverkehrsministerium. In einer Antwort aus dem Ministerium vom 14. Juni 2016 wird bestätigt, dass die von ihm geschilderte Problematik mit den Ergebnissen einer Untersuchungskommission zu Abgasfragen zusammenhänge. Das Schreiben erläutert, dass das Kraftfahrt-Bundesamt Maßnahmen eingeleitet habe, um mögliche Abschalteinrichtungen künftig besser erkennen zu können.
Zugleich wird beschrieben, dass Typgenehmigungen für Wohnmobil-Aufbauhersteller zunächst weiterhin möglich seien, um Nachteile für Unternehmen zu vermeiden, die keinen direkten Einfluss auf die Motorsteuerung der Basisfahrzeuge haben.
Abhängigkeit von Knaus Tabbert vom Fiat Ducato
Die Dokumente zeigen, wie stark Knaus Tabbert von einzelnen Basisfahrzeugen abhängig war. Nach Angaben im Schreiben von Knaus Tabbert machte der Anteil der Reisemobile am Gesamtumsatz des Unternehmens bereits damals rund 60 Prozent aus – und ein großer Teil dieser Fahrzeuge basierte auf dem Fiat Ducato.
Ein Aussetzen der Typgenehmigungen hätte möglicherweise große Teile der Produktion betroffen.
Verantwortung gegenüber Käufern
Zahlreiche Besitzer von Wohnmobilen auf Fiat-Ducato-Basis mit Euro-5- oder Euro-6-Motoren, die zwischen 2014 und 2019 produziert wurden, sind vom Wohnmobil Abgasskandals betroffen. Gerichte beschäftigen sich inzwischen mit möglichen Schadenersatzansprüchen und der Frage, welche Verantwortung verschiedene Beteiligte tragen. Dabei geht es nicht nur um Motorenhersteller, sondern auch um Aufbauhersteller, Händler und Zulassungsbehörden.
Offene Fragen im Wohnmobil-Abgasskandal
Der Wohnmobil-Dieselskandal ist bis heute nicht vollständig aufgearbeitet.
Offen bleibt unter anderem:
- Wie früh Behörden Hinweise auf mögliche Abschalteinrichtungen hatten
- Welche Verantwortung Motorenhersteller und Aufbauhersteller jeweils tragen
- Welche Ansprüche Käufer betroffener Fahrzeuge geltend machen können
Fest steht jedoch: Der Fall zeigt exemplarisch, wie verknüpft das Zusammenspiel zwischen Automobilindustrie, Wohnmobilherstellern, Politik und Regulierung sein kann.

…warum wird sowas nicht mal richtig öffentlich gemacht ??????
Wird es. Es lief im Fernsehen, erstmals schon 2016, die Polizei Frankfurt hat Zeugen aufgerufen und es gibt mehrere Facebookgruppen, die sich genau damit beschäftigen. Es liegen schon weit mehr als tausend Klagen bei den verschiedenen Gerichten, von denen etliche schon in verschiedene Richtung entschieden wurden und auch etliche mit fadenscheinigen Argumenten nicht zugelassen wurden. Bald werden sich die Oberlandesgerichte damit beschäftigen müssen. Es ist halt nur nicht so medienwirksam, wenn zwanzigtausend Leute betrogen wurden, wie zum Beispiel fünfhunderttausend Leute, deren Autos nicht in Ordnung waren. Immerhin braucht man das Auto für das tägliche Leben, während ein Wohnmobil ja Luxus ist….
Aber es ist schon öffentlich gemacht worden. Nur geht es bei dem ganzen Zirkus, der um Corona gemacht wird, unter. Was Dobrindt, dem ‚lieben Andi‘ und Fiat wohl recht ist…